Predigt : Deutsche Predigten und Traktate

Deutsche Predigten und Traktate

EUR 12,90


Klassiker der christlichen Mystik, immer noch lesenswert - Zur Zeit der Kirchenspaltung im ausgehenden Mittelalter sehnten sich viele Menschen nach einer direkten Gotteserfahrung. Sie wandten sich der Mystik zu, dem Versuch, Gott durch religiöse Versenkung näherzukommen. Zu den bekanntesten Mystikern zählte an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert Meister Eckehart. In zahlreichen Schriften und Predigten formulierte er immer wieder die Kernsätze seiner Theologie und versuchte den Menschen seine Vorstellung von Gott zu vermitteln: Gott als höchstes, abstraktes Wesen, das dem Menschen liebevoll in seiner Seele begegnet, wenn er sich ganz auf ihn einlässt und von allem Irdischen frei wird. Diese Begegnung mit Gott ist für Eckehart das Beste, was dem Menschen geschehen kann, sie hilft ihm, sein Leben hier auf der Erde mit Gelassenheit zu führen. Eckeharts Theologie war aus kirchlicher Sicht nicht gerade linientreu und ließ ihn schließlich zu einem Opfer der Inquisition werden. Im Lauf der Jahrhunderte aber haben sich zahlreiche Philosophen von Meister Eckehart inspirieren lassen, dessen Lehren übrigens erstaunliche Parallelen zum Buddhismus aufweisen. Auch heute, in einer Zeit, in der Kontemplation für viele Menschen wieder wichtig ist, kommen Eckeharts Schriften dem Bedürfnis nach Lebensweisheit und Innerlichkeit entgegen.

Eine alte Theologie, die in die Zukunft weist - In diesem Buch hat der erste Herausgeber der Abteilung Deutsche Werke im Auftrage der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Germanist Josef Quint, schon 1963 eine Sammlung von 59 als echt erwiesenen deutschen Eckhart-Predigten, sowie die Eckhart-Traktate, -Legenden und auch eine Übersetzung der lateinischen Bulle Papst Johannes XXII. zum Inquisitionsprozess gegen Eckhart zusammengefasst. Aufgrund der Vorgehensweise und Einteilung von Quint sind in diesem im Vergleich zur großen Eckhart-Ausgabe äußerst preiswerten Buch die gesichertsten deutschen Predigten enthalten. Zudem hat Eckhart nicht eine einzige, weit ausufernde Theologie oder Philosophie verfasst, sondern jede einzelne Predigt enthält in prägnanter Weise, wie Quint es in seinem Vorwort ausdrückt, den einzigen Anlass, den Inhalt und das Ziel Eckharts, nämlich den (Selbst)Erkenntnisprozess des Göttlichen im Grunde der menschlichen Seele oder Geistes. Auf dieses Ziel steuert Eckhart in jeder Predigt nur von verschiedenen Bibelzitaten aus zu, die er dabei sehr eigenwillig und ausschließlich allegorisch auslegt. Das verleiht den Predigten Eckharts eine nach Quint großartige Eintönigkeit und ermöglicht es im Idealfall, dieses Ziel Eckharts aufgrund nur einer einzigen seiner Predigten zu verstehen. Bei diesem Verstehen gibt es allerdings zwei sehr große Probleme. Wer Eckhart mit dem herkömmlichen christlichen Verständnis interpretiert, der wird bald an unüberwindliche Hindernisse stoßen, wenn er etwa liest, dass jeder Mensch Sohn werden soll, und zwar derselbe Sohn, und nicht ein anderer, dass der Mensch im Seelengrund ununterscheidbar mit dem Göttlichen verschmelzen soll, so dass Gott schlechthin ich und ich schlechthin Gott werden muss. Dieser Seelengrund ist dabei nicht ein besonderes Sein innerhalb der bestehenden Kreatur des Menschen und der Welt, sondern darin wird nach Eckhart die ganze Welt mit allen ihren Kreaturen geschaffen, denn Gott hat die Welt in der Weise geschaffen, dass er sie immer noch ohne Unterlass erschafft. Dort, wo niemals Zeit eindrang, niemals ein Bild hineinleuchtete, erschafft Gott die ganze Welt.Wer sich diesen kühnen Aussagen unvoreingenommen nähert, wird feststellen, dass Eckhart in einer langen abendländischen Tradition steht und darin ganz starke Parallelen zu dem letzten großen System der griechischen Philosophie aufweist, dem gleichzeitig mit dem Christentum entstandenen Neuplatonismus. Das zeigt sich auch daran, dass Eckhart die personale Gottesvorstellung hin zum neuplatonischen Einen überwindet, wie etwa in den auch seine negative Theologie kennzeichnenden drastischen Worten:Denn, liebst du Gott, wie er Gott, wie er Geist, wie er Person und wie er Bild ist, - das alles muss weg. Wie denn aber soll ich ihn lieben? - Du sollst ihn lieben wie er ist ein Nicht-Gott, ein Nicht-Geist, eine Nicht-Person, ein Nicht-Bild, mehr noch: wie er ein lauteres, reines, klares Eines ist, abgesondert von aller Zweiheit. Und in diesem Einen sollen wir ewig versinken vom Etwas zum Nichts. Hier zeigt sich dann das zweite Problem in dem Versuch, die Predigten Eckharts zu verstehen. Genau wie im Neuplatonismus ist das Göttliche in Eckharts strikt negativer Theologie nicht in einem Begriff, einer Vorstellung oder einem Bild zu fassen und damit auch nicht verstehbar. Obwohl Eckhart als einer der scharfsinnigsten Denker des Abendlandes gilt, ist es wie im Neuplatonismus sein Ziel, in einem, wie er es nennt, armen Geist das Denken selbst zu übersteigen und darin die Welt zu transzendieren.Der Philosoph Jens Halfwassen beschreibt in seinem Buch Plotin und der Neuplatonismus nicht nur kompetent den Kern dieser Philosophie, der dann auch bei Eckhart zu entdecken ist, sondern darüberhinaus die entscheidende Rolle, die der Neuplatonismus bei der Bildung des christlichen Gottesbildes 300 Jahre nach dem Tod von Jesus gespielt hat. Eckhart gehört dabei neben Dionysius Areopagita und Eriugena zu der Linie des christlichen Neuplatonismus, die ganz eng an Plotin geblieben ist. Dieses Buch von Halfwassen eignet sich sehr gut als Schlüssel zum Verständnis Eckharts, und umgekehrt kann Eckhart auf seine Weise die Ausführungen Halfwassens zur natürlichen Entstehung und damit Relativität des christlichen Gottesbildes bestätigen.Wie es auf dem Rückeinband der Diogenes-Ausgabe von Quint in dem Marcuse-Zitat heißt, ist Eckhart aufgeklärter als die Aufklärung. Wenn Eckharts Theologie wahr ist, dann ist genau wie bei Kant nicht nur das christliche Gottesbild relativ und in diesem Sinne letztlich nicht zutreffend, sondern auch alle anderen Gottesbilder. Das heißt auch, dass die Widersprüche zwischen den verschiedenen und die Spaltungen in den einzelnen Religionen unüberwindbar sind, sofern sie an der Absolutheit ihrer einander widersprechenden Gottesbilder festhalten. In diesem Sinne ist für einen wahren Frieden in der Welt Meister Eckhart erst ein Kommender, denn in seiner strikt negativen Theologie hat er diese religiösen Probleme praktisch schon nebenbei überwunden. Wie es in dem Marcuse-Zitat weiter heißt, deckte Eckhart den >Abgrund< auf, den alle Religionen und Philosophien zudeckten.

Auch für Atheisten - Meister Eckharts Schriften haben selbst mich als überzeugten Atheisten berührt. Bei diesen Texten geht es nicht um blinden eifrigen Glauben, das durchgängige Thema ist die tätige Liebe. Meister Eckhart entwickelt einen ganz universellen Gottesbegriff, der heute auch in anderen Religionen anerkannt wird und den man heute wieder im Begriff des Weltethos findet.Auch seine Predigten sind für mich als Ungläubigen höchst interessant zu lesen und stellen ein intellektuelles Vergnügen dar. Die Tatsache, dass Meister Eckhart viele Jahre vor Luther seine Predigten in deutsch abfasste, spricht für seine Bedeutung weit über die Kirche hinaus.

Willst du leben, so musst du tot sein... - Mit buddhistischen Meistern wie Huang Po und Hui Neng gleicher Präzision dringt Meister Eckhart zum Kern aller Lebensfragen vor: wie sterbe ich, um zu wahrem Leben zu erwachen -- ein Leben, in dem nicht dieses imaginäre Ich die Regie spielt, mit all seinem Wissen, Glauben, Hoffen und Wollen, sondern das gelenkt wird durch das Gebot des Moments. Viele Antworten geben Meister Eckhart und die anderen, doch die Krux bleibt: Es ist der Kreatur eigen, dass sie aus etwas etwas mache [Pr. 25, 32] -- und so gelangt man einmal mehr zu der Erkenntnis, dass man nichts tun kann, doch auch Nichttun Handeln ist, und nichts zu wollen mehr desselben.

DAS Meisterwerk DES Meisters der Christlichen Mystik! - Meister Eckeharts geschliffene und klare Analyse des christlichen Glaubens ist alles andere als eine trockene Abhandlung, wie das der Titel dieses Meisterwerkes vielleicht befürchten lässt. Auch verliert er sich in den 59 Predigten dieses Buches nicht in verworrene Er,- oder Verklärung. Seine lebendige Mystik ist Ausdruck einer verinnerlichten und gelebten Spiritualität, wie man sie heute nur selten findet. Eine echte Rarität unter der geistigen Literatur des Abendlandes! Interkulturell lässt sich das Denken Eckehart´s in die Tradition des Advaita-Vedanta einordnen, wie schon Schopenhauer erkannte, und er steht damit dem buddhistischen Weltbild nahe. Durch den Einfluss dieser Non-dualen Sicht verschwinden die Subjekt-Objekt Grenzen und Eckehart erkennt in seiner Erleuchtung daß ich und Gott eins sind, was ihm die Kritik von Papst Johannes XXII einbrachte, der sagte, dass Meister Eckehart mehr wissen wollte als nötig war. Ja, Eckehart war ein Wissender, aber nicht nur das: Er war auch ein Liebender. Und ein radikaler dazu! INFO für Advanced Leser: Wenn man auf der Suche ist nach intellektuellem Ausdruck mystischen Erlebens, wird man an Eckhart nicht vorbei kommen, da es etwas Vergleichbares innerhalb westlicher Literatur nicht gibt. Aber es bedarf einiger (Lese-)Übung und einer kräftigen Portion Selbst-Erfahrung um die feinen Nuancen zu erkennen, die Eckehart von einem Angelus Silesius, einer Theresa von Avile oder einem Hans Urs von Balthasar unterscheiden. Für die einen (die Aufgeklärten) ist Eckehart jener schriftstellernde Theologe, der sie für alle Zeiten unfähig macht, die christliche Kernaussage zu begreifen, da er sie zurückwirft in ihren aufgeklärten Einheitsbrei, für die anderen (die Post-Aufgeklärten) ist er unverzichtbare Hilfe, die Vorurteile auf beiden Seiten (Einheits-Mystiker VS Persönlichkeitsanhänger) zu verstehen. Möge der Tag kommen, an dem der Wert dieser von Eckehart vorgelegten Vorstufenerkenntnis als Wegstrecke zur vollen Gottesbewusstheit gewürdigt wird, ohne darin ein Werk des Teufels zu sehen, über das nicht gesprochen werden darf. Und möge auf der anderen Seite die Illusion einer Weltenseele als allerletztes, überweltliches und transzendentes Prinzip, endlich zugunsten einer Anschauung der reinen und finalen Wahrheit des einen, persönlichen Gottes enden. Nachdem Meister Eckehart vor ein paar Jahren aus den Bibliotheken der geisteswissenschaftlichen Fakultäten (vielleicht zurecht) ausgemustert wurde, werden seine Bücher vermutlich erst in 150-200 Jahren wieder intensiv gelesen, und dann -hoffentlich- auch verstanden werden. Das Problem ist, dass man, um Eckehart richtig zu verstehen (d.h. so wie er sich selbst verstanden hat), nicht nur die geistige und kulturelle Entwicklung bis zu seiner Zeit durchschritten, sowie die orientalischen Religionen studiert haben muss, sondern auch, und insbesondere -deren Irrwege.




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